Was
ist Neurodermitis?Mit dieser Broschüre möchten wir Ihnen kurz die Hintergründe Ihrer Erkrankung erläutern und aufzeigen, mit welchen Therapien und aktuellen Behandlungsstrategien sich der Hautzustand langfristig verbessern und Ekzemschübe wirkungsvoll verhindern lassen.
Neurodermitis

Verschiedene Studien zeigen, dass in Deutschland 8–16 % aller Kinder bis zur Einschulung an Neurodermitis erkranken.
Die Neurodermitis ist die häufigste chronische Hauterkrankung. In Deutschland leiden rund vier Millionen Menschen unter den immer wiederkehrenden entzündlichen Hautveränderungen, die von heftigem Juckreiz begleitet sind. Betroffen sind insbesondere Säuglinge und Kinder und eher Stadt- als Landbewohner.
Atopische Dermatitis/ atopisches oder endogenes Ekzem/ Neurodermitis
Noch vor gut 60 Jahren zählte Neurodermitis zu den eher seltenen Erkrankungen, doch die Erkrankungsrate hat sich in den westlichen Industrieländern in den letzten Jahrzehnten nahezu vervierfacht. Bislang gibt es keine zufriedenstellenden Erklärungen für diesen bemerkenswerten Anstieg der Erkrankungsrate. Möglicherweise tragen veränderte Lebensumstände, das vermehrte Auftreten von Allergien, aber auch die verbesserte Hygiene dazu bei. So vermutet man: Durch eine bessere Hygiene und die damit verbundene gesunkene Infektionshäufigkeit in der Kindheit ist das Immunsystem nicht mehr richtig geschult und reagiert verstärkt auf harmlose Umwelteinflüsse.
Genetische VeranlagungAuffallend ist, dass in vielen Familien mehrere Angehörige an Neurodermitis erkrankt sind. Tatsächlich spielt bei dieser Erkrankung die genetische Veranlagung eine große Rolle.
Das
Risiko für Neugeborene, eine Atopie zu entwickeln, ist abhängig von der
Atopiebelastung in der Familie.Neurodermitiker haben sehr oft eine vererbte Ekzembereitschaft. Sie neigen zu einer trockenen Haut, da die Barrierefunktion der Haut gestört ist. Gesunde Haut schützt vor äußeren Einflüssen wie Kälte, Hitze und Verletzungen und verhindert außerdem einen Feuchtigkeitsverlust von innen und damit die Austrocknung unseres Körpers. Ist – so wie bei Neurodermitikern – die Durchlässigkeit der Hautbarriere erhöht, trocknet die Haut schneller aus und ist sehr viel empfindlicher für Hautirritationen und Reizungen.
Hinzu kommt eine erblich bedingte Neigung des Immunsystems zu Überempfindlichkeitsreaktionen.
Diese Veranlagung wird als
Atopie
Genetisch bedingte Überempfindlichkeit von Haut und Schleimhäuten gegenüber
Umweltstoffen, die für andere Menschen harmlos sind, wie z.B. Tierhaare,
Pollen, Hausstaubmilben oder bestimmte Nahrungsmittel; Neigung zur Entwicklung
bestimmter Krankheiten (z.B. Heuschnupfen, Asthma bronchiale, Neurodermitis),
die mit einer vermehrten Bildung von Antikörpern der Gruppe IgE verbunden
sind. Atopie
bezeichnet. Neben der Neurodermitis gehören das allergisches Asthma, die
allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnupfen) und Nahrungsmittelallergien
zu den Erkrankungen des atopischen Formenkreises. Für diese Erkrankungen
gilt: Das Erkrankungsrisiko steigt, wenn Eltern oder Geschwister Atopiker
sind.
Die Rolle des ImmunsystemsDie Ursachen für die Überreaktion des
Immunsystem
Die Aufgabe des Immunsystems ist es, den Körper vor gefährlichen Fremdstoffen
wie Bakterien, Viren und Pilzen oder geschädigten, krankhaften Körperzellen
zu schützen. Immunsystems
, die zur Entwicklung einer Neurodermitis führen, sind bislang nicht in
allen Einzelheiten bekannt. Doch man kennt die Mechanismen, die zu den
typischen Symptomen der Haut und dem starken Juckreiz führen: Das Immunsystem,
zuständig für die Abwehr von körperschädigenden Erregern (z. B. Bakterien
oder Viren), reagiert übertrieben heftig auf harmlose Substanzen wie z.
B. Pollen, Tierhaare oder Bestandteile in Nahrungsmitteln.
Der
vereinfachte Ablauf der Immunreaktion bei Neurodermitis Eine Schlüsselfunktion bei dieser Abwehrreaktion kommt speziellen Immunzellen,
den sogenannten dendritischen Zellen und den
T-Zellen (T-Lymphozyten)
T-Zellen gehören zur Gruppe der weißen Blutkörperchen. Diese, im Thymus
gebildeten Immunzellen spielen bei Abwehrreaktionen des Immunsystems eine
wichtige Rolle. Sie tragen auf ihrer Zelloberfläche spezielle Stukturen
(Rezeptoren). Treffen die T-Zellen auf Zellen, die die Struktur von Fremd-Antigenen
auf ihrer Oberfläche tragen, die zu den Rezeptoren der T-Zellen passt,
so wird die T-Zelle aktiviert, schüttet Botenstoffe aus und leitet eine
Abwehrreaktion ein.T-Zellen, das sind bestimmte
Zellen der weißen Blutkörperchen, zu. Die Reaktionskette, an deren Ende
die entzündlichen Hautveränderungen sowie der zum Teil heftige Juckreiz
stehen, kann man sich wie folgt vorstellen: Die dendritischen Zellen nehmen
die als gefährlich eingestuften Fremdstoffe, in der Fachsprache auch als
Antigene
In den Körper eingedrungene Fremdkörper (z.B. Kohlenhydrate oder Eiweißstoffe
aus Pollen, Kot von Hausstaubmilben, Metall-Ionen) aber auch körpereigene
Strukturen (Autoantigene), die vom Immunsystem bekämpft werden, weil sie
vom Körper als fremd angesehen werden.
Antigene bezeichnet, auf und präsentieren auf ihrer Oberfläche die charakteristischen
Merkmale des Antigens den T-Zellen. Das ist das Signal für die T-Zellen.
Sie werden aktiv und setzen eine ganze Reihe von
Botenstoff (Mediator)
Körpereigener Stoff, der an der Vermittlung bestimmter Reaktionen bei
biochemischen Vorgängen im Körper beteiligt ist.
Botenstoffen frei.
Botenstoffe dienen dem Informationsaustausch zwischen
den Immunzellen. Bei der Neurodermitis spielen als Botenstoffe
insbesondere die von den T-Zellen und Hautzellen
ausgeschütteten
Zytokine
Von den T-Zellen freigesetzte Botenstoffe, die Reparaturmechanismen
von Gewebeschäden steuern und für viele Zellen als Wachstumsfaktoren wirken.
Zytokine und verschiedene gewebsschädigende
Substanzen eine Rolle. Die Zytokine aktivieren
weitere Immunzellen, so dass es im umliegenden Gewebe
zu akuten Entzündungserscheinungen wie den juckenden
Hautekzemen kommt.
Insgesamt wird durch die Vielzahl der aktivierten Zellen
und freigesetzten Botenstoffe die Entzündung der Haut
nicht nur ausgelöst, sondern auch in Gang gehalten.
Hinzu kommt, dass auch die Psyche einen starken Einfluss
auf das Krankheitsgeschehen hat. Bestimmte Nervenbotenstoffe,
die
Neuropeptide
Bestimmte Nervenbotenstoffe, die bei psychischen Belastungen vermehrt
ausgeschüttet werden. Sie verstärken die Aktivität der Immunzellen.
Neuropeptide, werden bei psychischen
Belastungen vermehrt ausgeschüttet. Offenbar haben die
Neuropeptide eine direkte Wirkung auf die anderen Immunzellen
und regen diese zur verstärkten Aktivität an.
Provokationsfaktoren
Winterzeit ist Neurodermitiszeit. Die saisonalen Schwankungen sind auf mangelnde UV-Strahlung, kratzende, warme Kleidung und trockene Heizungsluft zurückzuführen.
Neben der genetischen Veranlagung zur trockenen Haut und erhöhten Entzündungsbereitschaft gibt es verschiedene Faktoren, die eine Neurodermitis auslösen oder verstärken können.
Zu den Provokationsfaktoren, von denen häufi g mehrere gleichzeitig auftreten, gehören:
Allergene
Es lässt sich jedoch nicht immer ein Zusammenhang zwischen Krankheitsschub und Auslöser feststellen. Hilfreich ist es, ein Tagebuch über den Krankheitsverlauf zu führen.